Gerechtigkeit siegt 2018-11-14T10:31:47+00:00

„Bancoherren und Banchieri“ von Johann Creutzfelder

Gerechtigkeit siegt

Unruhige Zeiten sind das während der Märzrevolution von 1848/49 – eine Zeit, in der sich auch die Handelskammer Nürnberg gegen die Obrigkeit auflehnt. Allerdings nicht, um einen Umsturz herbeizuführen, sondern um eine ehrwürdige Institution zu erhalten: die Handelsgerichte in Nürnberg, deren Tradition 500 Jahre zurückreicht.

Im Jahr 1508 war Nürnberg wieder einmal Vorreiter: Damals verfügt Kaiser Maximilian I in einem Edikt die Einrichtung des Nürnberger Bankoamtes, dem ersten deutschen Kaufmannsgericht. Damit wird auch das Amt des Handelsrichters geschaffen – eines Kaufmanns, der den rechtsgelehrten Richter bei der Rechtsprechung unterstützt. Entsprechend entsetzt ist man bei der Handelskammer Nürnberg, als das bayerische Justizministerium ankündigt, die verschiedenen Abteilungen des Handelsgerichts in Nürnberg zu schließen und deren Aufgaben in einer „allgemeinen Gerichtsverfassung“ zu bündeln. Das will die Handelskammer nicht hinnehmen und protestiert energisch.

In einem Schreiben fordert die Handelskammer am 12. Mai 1849: Die bisherige Handelsgerichtsverfassung der drei Handelsgerichte in Nürnberg solle unverändert bleiben und ihr Wirkungskreis sogar auf den Zivilgerichtsbezirk ausgeweitet werden. Auch die Vermittlung, Erledigung und Entscheidung bei „Insolvenzanzeigen, Debitwesen und Concurssachen“ solle weiterhin in der Verantwortung des Nürnberger Handelsgerichts bleiben. Der Protest hat Erfolg, das Justizministerium belässt die traditionsreiche Einrichtung in Nürnberg.

Von dieser Entscheidung profitiert die Gerichtsbarkeit bis heute: Rund 50 Handelsrichter bringen in Mittelfranken – beim Landgericht Nürnberg-Fürth und beim Landgericht Ansbach – ihr Wissen und ihre Erfahrung in die Rechtsprechung ein. Sie setzen damit eine 500-jährige Tradition fort und tragen bis heute zu praxisnahen Entscheidungen der Gerichte bei. Ernannt werden die ehrenamtlichen Handelsrichter vom Landgerichtspräsidenten oder vom Justizministerium – immer auf Vorschlag der IHK Nürnberg.

Diese Geschichte in der WiM

Gerechtigkeit siegt – Die Handelskammer erstreitet gegen das Justizministerium die Bewahrung des Handelsgerichts.